Salon_14: Julia Kissina: Lesung + Gespräch

Lesung aus »Frühling aus dem Mond« (Suhrkamp)

Ich freue mich sehr, dass Julia Kissina, die als Fotografin / Künstlerin schon mehrfach in der 18m-Galerie ausgestellt hat, im 18m-Salon ihren bei Suhrkamp erschienenen und von FAZ über NZZ bis Süddeutsche bestens rezensierten Roman "Frühling auf dem Mond" präsentieren wird.

 

Julia Kissina studierte an der Moskauer Filmhochschule und der Akademie der Bildenden Künste München. Sie gehörte den Moskauer Konzeptualisten an und war eine wichtige Vertreterin der Underground-Literatur. In ihrem gerade bei Suhrkamp erschienenen Roman »Frühling auf dem Mond« beschreibt Julia Kissina ihre sowjetische Kindheit vor dem Hintergrund des physischen und ideellen Zerfalls der Stadt Kiew.

 

Lesung: Beatrice Faßbender arbeitet im Berenberg ­Verlag und bei den Nordischen Botschaften in Berlin. Zuletzt erschien ihre Übersetzung von Jeffrey Yangs Gedichtband »Ein Aquarium«, das als eines der zehn besten Bücher des Jahres 2012 aus unabhängigen Verlagen ausgezeichnet wurde.

 

Im Anschluss an die Lesung folgt ein kleines Gespräch mit Julia Kissina, moderiert von Julie August.

Natürlich können auch Bücher gekauft werden (die man sich auch signieren lassen kann).

 

 

 

Tim Neshitov in der "Süddeutschen Zeitung"

über Frühling auf dem Mond (9.7.2013)

 

»lustig, aber auch ernsthaft wie Nabokov: Die in Berlin lebende Ukrainerin Julia Kissina hat einen tragikomischen Roman über ihre Kindheit in Kiew geschrieben - einer Stadt am Rande der sowjetischen Demenz.«

 

Wladimir Nabokovs Memoirenklassiker "Erinnerung, sprich" von 1966 beginnt mit den Sätzen: "Die Wiege schaukelt über dem Abgrund. Der Menschenverstand übertönt das Geflüster des begeisterten Aberglaubens und sagt uns, dass unser Leben nur ein schwacher Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkels ist."

 

Kissinas Buch beginnt mit den Sätzen: "Wir alle sitzen im Empfangssaal des Herrn und warten auf unsere Stunde. Sein Empfangssaal ist riesig, dort stehen für die Wartenden Bänke." Damit setzt die Autorin einen spielerisch-nachdenklichen Ton, der die zahlreichen tragikomischen Anekdoten in ihrem Buch zusammenhält. "Frühling auf dem Mond" ist lustig, das Bestreben aber, aus den eigenen Erinnerungen mehr herauszuholen als Unterhaltungsliteratur, verleiht Kissinas Buch eine Nabokovsche Dimension ...

 

Es gibt Sätze in diesem Buch, die nur ein Mensch formulieren kann, der die eigene Kindheit sehr ernst nimmt. "Aus den Kehlen der Schamanen bricht das Polarlicht hervor, und ihre Leber sondert Leere ab." Natürlich formuliert kein Kind solche Sätze, sie formulieren nur Erwachsene, die Jahrzehnte später auf das Kind in sich hören. Diese Nostalgie entsteht nicht dadurch, dass die Erinnerung Ereignisse in der Vergangenheit in ein milderes Licht taucht. Kissina geht es vielmehr um die Fähigkeit, in manchen Abschnitten des Lebens mehr wahrzunehmen als die alltägliche Realität.