Lesung / Gespräch: FLUCHTVERSUCH von Miguel Àngel Hernandez

Der spanische Autor präsentiert sein Buch über einen gehypten Star der zeitgenössischen Kunstszene, dessen Praxis, seine Erfolge und seine Entourage – und stellt die Frage, ob Kunst grenzenlos frei sein kann und darf

Das Buch »Fluchtversuch« von Miguel Ángel Hernandez ist mehr als ein Stück Literatur über den Kunstbetrieb. Es stellt viele Fragen, einige davon durchaus beunruhigend und nicht ganz einfach zu beantworten. Ich freue mich sehr, dass Florian Borchmeyer diesen Abend mit Hernandez moderieren wird. Natürlich ist die gerade bei Wagenbach erschienene deutsche Übersetzung bei dieser Gelegenheit auch käuflich zu erwerben (16.90 Euro) und kann ggf. signiert werden.

Jacobo Montes ist ein Shooting- Star der zeitgenössischen Kunstszene. Er ist politisch engagiert und arbeitet immer wieder mit Migranten, so auch in der Installation, die er für die Kunsthalle einer spanischen Provinzstadt plant – wo er eine Affäre mit der ansässigen Kunstdozentin Helena hatte.
In die hat sich auch Marcos, Student im letzten Semester, verguckt. Dank Helena darf er Montes assistieren und knüpft Kontakte zu Immigranten aus Afrika, die sich auf dem Handwerkerstrich verdingen. Omar ist einer von ihnen – er soll viel Geld für jeden Tag erhalten, den er sich von Montes in eine enge Holzkiste sperren lässt. Doch dann kommt Montes auf die Idee, die Kiste zu vernageln … Mit minimalen Mitteln baut Miguel Ángel Hernández in seinem Romandebüt eine Spannung auf, die den Leser noch über die letzte Seite hinaus umtreibt. Wie weit darf Kunst gehen, um auf das Schicksal der Schwächsten in der Gesellschaft aufmerksam zu machen?

 

Miguel Ángel Hernández Navarro, geboren 1977 in Murcia, lehrt zeitgenössische Kunst an der Universität seiner Heimatstadt. Fluchtversuch ist sein erster Roman, mit dem er 2012 in die Endauswahl des Premio Herralde kam.

 

Florian Borchmeyer Geboren 1974 in Wasserburg am Inn. Studium der Literaturwissenschaft in Berlin, Havanna und Paris. Er ist als Filmemacher und Literaturkritiker sowie als Autor für Fernsehkulturmagazine tätig und kuratiert das Internationale Programm beim Filmfest München. Seit der Spielzeit 2011/12 Dramaturg an der Schaubühne am Lehniner Platz.